Gedanken zum/im Advent

Ende November begannen wir uns schon langsam auf Weihnachten vorzubereiten. Irgendwie war uns das zu früh. Warum bitte jetzt schon? Der Advent hatte ja nicht mal angefangen, aber jetzt schon Weihnachten feiern? Es ist hier Tradition, dass es für die Wohltäter des Mädchenheimes ein kleines Weihnachtsfest gibt, bei dem die Mädels unter anderem ein Krippenspiel vortragen, daher wurde (für meine Begriffe viel zu früh) bereits „Stille Nacht, heilige Nacht“ angestimmt und geprobt.

Mich beschäftigten andere Dinge, Situationen aus dem Alltag, aus unserem Leben hier. Zum Beispiel, dass man mir nach einem wunderbaren Ausflug mit schönen und lustigen Begegnungen zum Ausklang des Tages meinen Rucksack aufgeschlitzt und mir daraus meine Digicam gestohlen hat. Kann passieren ja, ich war auf jeden Fall geschockt und mein Vertrauen in die Menschen hier plötzlich gebrochen. Die extrem lustigen Minuten mit drei Jungs im „Taxi“ und ein extrem zuvorkommender junger Kongolese, der uns auf dem Weg zum Fußballtraining einfach bis zur gesuchten Bushaltestelle begleitete und uns dann seine durch den zu Fuß zurückgelegten Weg ersparten Francs schenkte, waren vergessen. Die Stimmung war plötzlich anders. Der Diebstahl und auch eine beobachtete Schlägerei in der Nachbarschaft auf offener Straße gaben mir Grund zum Überlegen über den Hass, die Brutalität, die Gewalt in dieser Welt, die Gewalt der Sprache – die Provokation, die Gewalt der Fäuste – die Wunden der Opfer, über die fehlende Empathie, die mangelnde Achtung und Liebe für den Nächsten. Wofür sich bemühen, wenn doch alles so schnell wieder zerstört werden kann?

Dann war Sonntagabend, für uns das Ende der Woche. Wie fast jeden Sonntagabend war Anbetung angesagt. Ich war müde, hatte die Woche vieles gemacht und erlebt. Dennoch raffte ich mich auf und ging in die Kapelle nebenan. Langsam realisierte ich, dass heute der erste Adventsonntag ist, nahm mir die Texte der Sonntagsliturgie zur Hand. Dort las ich „Warum lässt du uns, Herr, von deinen Wegen abirren und machst unser Herz hart…?“ und weiters „Reiß doch den Himmel auf und komm herab…“

Nun war ich angekommen im Advent. Mit der großen Sehnsucht im Herzen, dass Gott diesen Advent, dieses Weihnachtsfest doch in unsere Welt komme, Frieden stifte, Liebe schenke, den Hass, der uns Menschen nur gegenseitig umbringt, doch beende, betete ich voller Hoffnung: „Komm Herr Jesus – Maranatha.“  DS

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